Tartscher Bühel
Der
Tartscher Bühel (1077 m) ist ein kahler, glazial überformter Felsling mit
mystischer Ausstrahlung im Obervinschgau, der als kugelige Erhebung überraschend in der sonst gleichmäßig geneigten Malser Haide liegt. Er ist gleichermaßen
historisch und botanisch bemerkenswert und bietet eine
fantastische Aussicht.
Die Archäologen interessieren sich seit dem späten 19. Jahrhundert für den Hügel, der als
historisches Zentrum des Vinschgaus gilt. Vermutlich befand sich hier eine ca. 1,3 ha große Siedlung, von der heute allerdings nichts mehr zu sehen ist. Neben
römischen Münzen,
Schalensteinen und
Eisenbeilen wurde ein 2.500 Jahre altes
Hirschhorn in Phallusform mit rätischer Inschrift gefunden, das die Anwesenheit von Menschen und Zivilisation an diesem Ort belegt.
Über dem Ort eines
Fruchtbarkeitskult in der
Bronzezeit (3000-1000 v. Chr.) wurde im 11. Jahrhundert eine dem
St. Veith geweihte
romanische Kapelle errichtet, die bis heute äußerlich unverändert geblieben ist. Mit seiner
steinernen Ringmauer und einem einzelnen Busch steht sie einsam auf der Hügelkuppe, ein tolles Fotomotiv. Das Innere der Kirche enthält keine Kunstschätze mehr.
Auf dem Bühel wurden außerdem
Reste eines rätischen Hauses aus dem vierten oder dritten Jahrhundert vor Christus gefunden, deren Grundmauern von einem Holzdach geschützt sichtbar sind.
Unter dem Hügel befindet sich eine 1939-1942 gebaute, unvollendete und nie militärisch genutzte
Bunkeranlage aus dem 2. Weltkrieg, in der einst 200 Soldaten arbeiten und leben sollten. Sie besteht aus mehreren Eingängen, Schlaf- und Betriebskavernen, Schießständen, endlosen Treppenanlagen und durchlöchert den gesamten Hügel. Die meisten Eingänge sind von Gestrüpp überwuchert. Ein Schießstand ist am Rand des Sportplatzes zu sehen.
Dass der Hügel auch botanisch bemerkenswert ist, erkennt man schon aus der Ferne: Er ist bräunlicher als seiner fruchtbare, grüne Umgebung. Das liegt daran, dass sich hier die gleiche
Steppenvegetation angesiedelt hat, die auch dem Vinschger
Sonnenberg zu Eigen ist. Die nach Südwest und Süden exponierten Hänge des Vinschgau sind ab
Mals und bis Partschins auf einer Länge von 42 km und einer Breite von 500-700 m meist sehr trocken und anders als der fruchtbare Talboden nur von
mediterranen Gräsern und
Gestrüpp bewachsen.